Als Inhaber eines Kleinstunternehmens kommst du an LinkedIn kaum vorbei. Die Plattform ist das unangefochtene Monopol für professionelle Netzwerke, Lead-Generierung und B2B-Marketing. Doch genau diese Dominanz macht es umso wichtiger, genau hinzuschauen: Wie trackt LinkedIn dein Nutzerverhalten? Und wie kannst du die Plattform trotzdem sinnvoll nutzen, ohne all‘ deine Daten preiszugeben?

LinkedIn sammelt nicht nur Daten, um dir eine reibungslose Nutzung zu ermöglichen. Es geht weit darüber hinaus. Die Plattform analysiert dein Verhalten, um Werbung zu personalisieren, Nutzerprofile zu erstellen und selbst deine Interessen und Gewohnheiten zu monetarisieren. Als Nutzer und Unternehmer solltest du verstehen, welche Mechanismen hier wirken – und wie du sie kontrollieren kannst.

Funktionsbezogene Cookies: Die Basis für eine funktionierende Plattform

Funktionsbezogene Cookies sind das Fundament, auf dem LinkedIn aufbaut. Ohne sie würde die Plattform nicht einmal grundlegend funktionieren. Sie speichern Informationen, die für die technische Bereitstellung von Diensten notwendig sind: Sitzungsverwaltung, Aktivierung von Funktionen wie dem Live-Chat, Nutzerpräferenzen oder Performance-Optimierungen.

Funktionsbezogene Cookies – Zwecke und Auswirkungen bei Deaktivierung

ZweckBeschreibungAuswirkung bei Deaktivierung
SitzungsverwaltungSpeichert Nutzeraktionen, Login-Daten oder den Zustand der Sitzung (z. B. recent_history, FormsWebSessionId).Nutzer müssten sich bei jedem Seitenwechsel erneut anmelden, und der Fortschritt (z. B. ausgefüllte Formulare oder besuchte Seiten) würde nicht gespeichert.
FunktionsaktivierungErmöglicht spezifische Features wie Live-Chat (liveagent_ Cookies), Share-Box-Hilfetexte (sharebox-suggestion) oder Smart Links (lss_bundle_viewer).Die Live-Chat-Funktion von Salesforce wäre nicht verfügbar, und Hilfetexte für neue Nutzer würden nicht angezeigt.
NutzerpräferenzenSpeichert Einstellungen (z. B. NID für Google, li_cc für China-spezifische Anforderungen).Individuelle Einstellungen wie Sprachauswahl oder länderspezifische Anforderungen würden nicht beibehalten.
Performance & TechnikOptimiert die Plattformleistung (z. B. df_ts für Fingerabdruckerkennung, rand_gateway für Endpunktbestimmung).Die Plattform könnte langsamer oder weniger stabil laufen.
Authentifizierung & SicherheitStellt sicher, dass Anmeldebildschirme korrekt angezeigt werden (interstitial_page_reg_oauth_url).Der Anmeldeprozess könnte fehlerhaft sein, und Nutzer würden nicht korrekt weitergeleitet.
NutzererfahrungErfasst Aktivitäten, um die Interaktion zu verbessern (z. B. t, Di. von Gainsight).Die Nutzererfahrung wäre weniger personalisiert und weniger intuitiv.

Drittanbieter (alphabetisch): LinkedIn, Adobe, Gainsight, Google, Microsoft Forms, Salesforce

Analyse & Forschung: Wie LinkedIn dein Verhalten versteht

Hier wird es interessant – und für viele Nutzer unangenehm. Cookies für Analysen und Forschungszwecke dienen nicht mehr nur der technischen Funktionalität, sondern dem Verständnis deines Verhaltens. Forschung klingt wie Wissenschaft, hier ist es eher Marktforschung. LinkedIn und seine Partner wollen wissen, wie du die Plattform nutzt, welche Inhalte dich interessieren und wie du mit Anzeigen interagierst.

Analyse- und Forschungs-Cookies – Zwecke und Partner

ZweckBeschreibungPartner
Nutzeridentifikation & TrackingIdentifiziert abgemeldete Mitglieder (lms_analytics), speichert Synchronisierungszeitpunkte (AnalyticsSyncHistory) oder verknüpft Nutzer mit Microsites (VID, SID).LinkedIn
MarktforschungWird von Scorecard Research (UID, UIDR) oder ID5 (dsgvo, cnac, cip) für Nutzerrecherchen und ID-Synchronisierung genutzt.Scorecard Research, ID5
Conversion-TrackingVerfolgt Nutzeraktionen vor der Conversion (SID, VID) oder speichert Marketing-Parameter (queryString).LinkedIn
Umfragen & FeedbackWird von Qualaroo (ki_r, ki_s, ki_t, ki_u) und Qualtrics (QSIPopUnder_…, QSI_SI__intercept) für Umfragen, Popunder und Feedback-Erfassung genutzt.Qualaroo, Qualtrics
Performance-AnalysenErfasst von Adobe Analytics (s_cc, s_sq, s_vi, gpv_pn, s_plt, s_tslv) Nutzerinteraktionen, Ladezeiten und Seitenaufrufe.Adobe
Unique Visitor TrackingZählt einzigartige Besucher (oribili_user_guid, ln_or) und prüft Tracking-Fähigkeiten (oribi_cookie_test).Oribi
Google & Microsoft AnalyticsUnterscheidet Nutzer (_ga, _ga_T1C4ZK6V3H) oder analysiert Nutzerverhalten (_clck, _clsk).Google, Microsoft

Drittanbieter (alphabetisch): Adobe, Google, ID5, LinkedIn, Microsoft, Microsoft Clarity, Qualaroo, Qualtrics, Scorecard Research

Ohne diese Cookies könnte LinkedIn keine Daten über abgemeldete Mitglieder oder Besucher von Microsites sammeln. Externe Anbieter könnten keine Nutzerrecherchen durchführen, und Tools wie Qualaroo oder Qualtrics könnten keine Umfragen anzeigen.

Personalisierte Werbung: Der Motor von LinkedIns Geschäftsmodell

Die umfangreiche Recherche von netzpolitik.org hat aufgezeigt wie tiefgreifend die Kategorisierung ist (Foto: Screenshot https://github.com/netzpolitikorg/xandr_recherche_EU)

Hier geht es noch deutlicher ums Werbegeschäft. Cookies für personalisierte Werbung sind darauf ausgelegt, dein Nutzerprofil so detailliert wie möglich zu erstellen. Sie identifizieren dich als Nutzer, synchronisieren deine ID über verschiedene Plattformen hinweg und messen, wie du mit Anzeigen interagierst.

Cookies für personalisierte Werbung – Zwecke und Partner

ZweckBeschreibungPartner
NutzeridentifikationIdentifiziert Nutzer für Werbezwecke (z. B. lms_ads für abgemeldete Mitglieder, _guid für Google Ads, A3 für Yahoo).LinkedIn, Google, Yahoo
ID-SynchronisierungVerknüpft Nutzer-IDs über verschiedene Plattformen hinweg (z. B. UserMatchHistory, uids, aam_uuid, uid-bp-41393).LinkedIn, Adobe, Xandr, FreeWheel, 33across, Rubicon Project
Anzeigen-TargetingSteuert die Auswahl und Anzeige von Werbung basierend auf Nutzerprofilen (z. B. anj für AppNexus, IDE für DoubleClick, fr für Facebook).AppNexus (Xandr), DoubleClick (Google), Facebook, Twitter, Yahoo
Conversion-TrackingMisst die Effektivität von Werbekampagnen (z. B. GUC, B für Yahoo, _gcl_au, _gcl_aw für Google).Yahoo, Google
Performance-MessungAnalysiert, wie Nutzer mit Anzeigen interagieren (z. B. uids für Rubicon Project, tt_viewer für Teads).Rubicon Project, Teads
FehlerprotokollierungErfasst Fehler bei der Datenübertragung (z. B. dst für Adobe Audience Manager).Adobe
PartnermarketingUnterstützt die Zusammenarbeit mit Werbepartnern (z. B. brwsr, ABSELB, IRLD für LinkedIn Tracking Domains).LinkedIn
Podcast-Conversion-TrackingVerfolgt Conversions von Podcast-Werbung (z. B. barometric[cuid], barometrisch[idfa]).Claritas, Veritone

Drittanbieter (alphabetisch): 33across, Adobe, AppNexus (Xandr), Bing (Microsoft), Claritas, DoubleClick (Google), Facebook, FreeWheel, Google, LinkedIn, Magnite, Oribi, Reddit, Rubicon Project, Teads, TripleLift, Twitter, Veritone, Yahoo

Ohne diese Cookies gäbe es keine zielgenaue Werbung auf LinkedIn. Anzeigen wären generisch und nicht auf deine Interessen zugeschnitten. LinkedIn und Werbetreibende könnten nicht messen, ob du nach dem Klicken auf eine Anzeige tatsächlich eine gewünschte Aktion durchführst.

Personalisierte Werbung: Xandr im Speziellen

Die große Xandr-Recherche von netzpolitik.org fand so die Kategorie „persönliche Schwächen“ der Nutzenden

Ein besonders interessanter Akteur in diesem Bereich ist Xandr, das war mal eine Tochtergesellschaft von Microsoft. 2023 gab Microsoft bekannt, die Marke Xandr aufzulösen in Microsoft Monetize, Microsoft Invest und Microsoft Curate. Die Technologie dahinter ist noch aktiv als programmatisches Werbenetzwerk, das Echtzeit-Bietungen für Werbeflächen durchführt. Die Plattform nutzt Cookies, um Nutzerprofile zu erstellen und zielgenaue Anzeigen zu schalten.

Xandr-Cookies – Funktionen und Zwecke

CookieZweckGültigkeit
uuid2Dient der Analyse von AppNexus.3 Monate
usersyncStellt fest, ob eine ID-Synchronisierung mit Xandr stattgefunden hat.90 Tage
icuHilft bei der Auswahl und Einschränkung von Anzeigen.90 Tage
uidsDient der Auswahl von Anzeigen und der Messung der Anzeigen-Performance.90 Tage

Xandr nutzt diese Cookies, um Nutzer über verschiedene Plattformen hinweg zu identifizieren und zu verfolgen. Dadurch können Werbetreibende ihre Anzeigen gezielt auf bestimmte Zielgruppen ausrichten und die Effektivität ihrer Kampagnen messen. Ohne diese Cookies wäre die zielgenaue Werbung, die Xandr anbietet, nicht möglich.

Praktische Tipps als Nutzer: So schützt du deine Daten

Als Nutzer hast du Möglichkeiten, den Datenhunger von LinkedIn einzudämmen. Ein erster Schritt könnte sein, deine Cookie-Einstellungen bewusst zu verwalten. Unter LinkedIn Cookie-Einstellungen kannst du einstellen, welche Cookies du zulassen möchtest. Hier kannst du zwischen funktionsbezogenen, analytischen und werbebezogenen Cookies unterscheiden und gezielt diejenigen deaktivieren, die dir zu weit gehen.

Ein weiterer Ansatz ist das Löschen der Werbe-ID in deinem Smartphone. Diese ID, auch MAID (Mobile Advertising ID) genannt, wird von vielen Apps und Diensten genutzt, um dein Verhalten über verschiedene Apps hinweg zu verfolgen. Wie du diese ID löschst, erfährst du in diesem Leitfaden von Stiftung Warentest. Dadurch machst du es Datensammlern deutlich schwerer, dein Verhalten zu tracken.

Zusätzlich kannst du regelmäßig deine Browser-Daten löschen, insbesondere Cookies und den Cache. Das verhindert, dass langfristige Tracking-Cookies deine Aktivitäten über längere Zeiträume hinweg aufzeichnen. Nutze auch die Privatsphäre-Modi deines Browsers, um zu verhindern, dass Cookies über verschiedene Sitzungen hinweg gespeichert werden.

In meiner Arbeit mit Kleinstunternehmen habe ich beobachtet, dass viele Nutzer nicht wissen, wie viele Daten sie preisgeben – und wie einfach es sein kann, diesen Fluss einzudämmen. Ein bewusster Umgang mit den Einstellungen und regelmäßiges Überprüfen der Datenschutzoptionen kann bereits einen großen Unterschied machen.

Praktische Tipps als Unternehmer: Werbung ja, aber mit Maß

Als Unternehmer weißt du, dass Werbung ein notwendiger Teil des Geschäfts ist. Doch 87 Cookies – so viele setzt LinkedIn ein – sind schlichtweg zu viel. Kontextbasierte Werbung, die den Datenschutz respektiert, ist hier die bessere Wahl. Leider hat LinkedIn ein Monopol, und es lässt sich aktuell nicht vermeiden, die Plattform zu nutzen, wenn man im B2B-Bereich sichtbar sein will.

Doch es gibt Wege, verantwortungsvoll mit den Daten deiner Kunden umzugehen. Setze auf transparente Kommunikation: Informiere deine Kunden darüber, welche Daten du sammelst und warum. Nutze die Möglichkeiten, die LinkedIn bietet, um deine Zielgruppe zu erreichen – aber vermeide es, unnötige Daten zu sammeln oder weiterzugeben.

Ein weiterer Tipp ist, auf First-Party-Daten zu setzen. Das sind Daten, die du direkt von deinen Kunden sammelst (z. B. über Anmeldungen oder Umfragen). Diese sind nicht nur datenschutzfreundlicher, sondern oft auch wertvoller, weil sie direkt von deiner Zielgruppe stammen. Vermeide es, auf Third-Party-Daten von externen Anbietern zurückzugreifen, die oft undurchsichtig sind.

In meiner Beratungspraxis empfehle ich Kleinstunternehmern oft, sich auf die Wesentlichkeiten zu konzentrieren: Klare Botschaften, zielgruppengerechte Inhalte und eine respektvolle Haltung gegenüber den Daten der Nutzer. LinkedIn ist ein mächtiges Tool – aber es sollte nicht auf Kosten der Privatsphäre deiner Kunden gehen.

LinkedIn nutzen, ohne die Kontrolle zu verlieren

LinkedIn ist aus der B2B-Welt nicht mehr wegzudenken. Die Plattform bietet unschätzbare Möglichkeiten, um Netzwerke aufzubauen, Leads zu generieren und dein Business zu fördern. Doch dieser Nutzen hat einen Preis: deine Daten – und die deiner Kunden.

Als Nutzer kannst du durch bewusste Einstellungen und regelmäßiges Überprüfen deiner Datenschutzoptionen den Datenhunger von LinkedIn eindämmen. Als Unternehmer solltest du darauf achten, Werbung verantwortungsvoll einzusetzen und die Privatsphäre deiner Kunden zu respektieren.

Wie du LinkedIn optimal nutzen und gleichzeitig die übertriebene Neugier der Plattform einschränken kannst, erfährst du im Rahmen meiner LinkedIn-Beratung. Wenn du dich für die Plattform interessierst und mehr darüber wissen möchtest, wie der Feed von LinkedIn funktioniert, melde dich zu meinem kostenlosen Webinar an. Wenn du deine First-Party-Daten selbst generireren und optimieren willst, zeige ich dir gerne, wie das gelingen kann, vereinbare einfach ein für dich kostenloses Erstgespräch mit mir.

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